Archiv 2014

 

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Peter Troißinger zwischen Genie und Wahnsinn!

 

http://malerwinkel.at/uploads/pics/Oskas.jpgFoto: Werner Krug

Coverstory Oskars 05.06.2014

 

In der Genussregion des Landes Steiermark, im steirischen Vulkanland, findet man inmitten von zahlreichen Buschenschänken und Haubenlokalen ein Kleinod, den Gasthof Malerwinkl in Hatzendorf. Sofort ist zu erkennen, dass es sich nicht nur um ein besonders charmantes Wirtshaus, sondern auch um ein Kunsthotel handelt. Peter Troißingers Credo „Eat & Art“ begegnet dem Gast bereits auf den ersten Blick und weckt die Neugier darauf, wer hinter dem Gesamtkunstwerk steckt.

 

 

Geboren 1958, wuchs Peter Troißinger in einem kleinen oststeirischen Nest - in Hatzendorf - auf. Seine Mutter züchtete Hühner und belieferte Haushalte und Gasthäuser in der Umgebung und war damit ihrer Zeit schon weit voraus. Ursprünglich wollte Peter Troißinger Künstler werden. „Meine Eltern sagten, dass das brotlos ist. Als ich in jungen Jahren kein Geld hatte, habe ich nebenbei angefangen zu malen.“ Nach seiner Lehre zum Koch sammelte er Erfahrungen als Meisterkoch im „Hotel 4 Jahreszeiten“ in Hamburg und im Hotel „Interconti“ in Köln. Bevor Peter Troißinger zurück in die Heimat kehrte und das Haus zu einem Gasthof mit Fremdenzimmern umbaute, führte seine Mutter eine beschauliche Jausenstation. So wie schon in jungen Jahren ist Peter Troißinger auch heute noch getrieben von neuen Ideen und Visionen, die er in seiner Kunst - Bilder, Skulpturen, Konzepte für Performances oder kulinarische Events - umsetzt. Dementsprechend verblüfft der Mann mit dem Blick für künftige Entwicklungen seine Gäste gerne mit ungewöhnlichen Dekorationen auf seinen Tellern. Das elterliche Gasthaus, am Anfang noch reizlos, erstrahlte bald als Gesamtkunstwerk. Als er einen Zubau plante, griff er nicht auf übliche Bauweisen, sondern wählte die alte Technik des Lehmbaus. Im Lehmturm befindet sich eine kleine Galerie, in der er Kunstwerke, unter anderem auch die „Woodis“ seines Sohnes Peter junior, ausstellt.

 

vThe 50 Best

 

Vor geraumer Zeit keimte wieder eine neue Idee in Peter Troißinger. Der manchmal doch so grausame Gastronomiealltag hat nicht erst ein Opfer zu verantworten: Konkurs, Burnout oder Selbstmord sind Schlagworte, die in der Branche nicht selten fallen. Inspiriert von den Geschichten, die die Gastronomie schreibt, hat sich der Querdenker entschlossen, seine „50 Best Chefs“ auf Leinwänden zu verewigen. Johanna Maier, Juan Amador, Johann Lafer und noch viele andere sind im Malerwinkl und in seinem Atelier zu bewundern. Seine Serie ist jedoch noch nicht vollständig und solange er seine „50 Best“ noch nicht zusammen hat, wird er auch keines dieser Werke verkaufen. Jedes seiner Werke erzählt eine Geschichte - eine Geschichte, die Peter Troißinger auf seine persönliche Art und Weise festhält.

 

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

 

Wie der Vater, so der Sohn: Peter Troißinger junior, 27 Jahre jung, räumt einen Preis nach dem anderen ab. Mit 23 Jahren konnte er sich bereits jüngster Küchenmeister der Steiermark nennen. In der Branche wird er als der Newcomer gehandelt. Peter junior war es, der die Familie zu einem Gemüsegarten mit dem Fokus auf alte Sorten motivierte. „Mein Sohn war es, der uns zu den Wurzeln zurückgebracht hat. Von Anfang Mai bis Mitte November beziehen wir sämtliches Gemüse aus unserem eigenen Garten, ohne auf einen Zukauf angewiesen zu sein. Wir pflanzen zum Beispiel alte Tomatensorten an, die wir dann einrexen. So haben wir das ganze Jahr über unsere eigenen Tomaten. Es ist viel Arbeit, aber eine tolle Sache.

 

Neben der Kochleidenschaft hat Peter junior auch die kreative Ader von seinem Vater mitbekommen: 2012 wurde er mit dem Innovationspreis für seine „Woodis“ geehrt. Gemeinsam mit dem Tischlermeister Erich Groß entwickelte er ein individuelles Holzbrett. Für ein Stück Natur in der Küche sorgen die raffinierten Kombinationen aus Holzplatte mit der Einlage aus porenlosen, lebensmittelechten Oberflächenmaterial. Neben dem Stylefaktor sind sie strapazierfähig und haltbar, besonders hygienisch und pflegeleicht.

 

Tochter Anna, von ihrem Vater liebevoll als „Kräuterhexe“ bezeichnet, ist für das Restaurant im Betrieb zuständig. Zusätzlich kümmert sie sich um die Weiterverarbeitung von Kräutern und Verarbeitung von Säften. „Es hat einige Zeit gedauert, bis die Kräuter vom Tellerrand ins Gericht gewandert sind, das war ein Lernprozess.“ Und auch an der jüngsten Tochter Lea sind die Gene nicht spurlos vorübergegangen, denn sie studiert Architektur und bewegt sich eindeutig auf der Kunstseite.

 

Sein Erfolgsrezept

 

„Viele halten es in der Gastronomie nicht lange aus. Viele werden verheizt und gehen dann aus der Branche. Du brauchst eine Frau, die dir den Rücken freihält. Du brauchst ein bisschen Ruhe und wenn das nicht alles zusammenpasst, dann funktioniert das nicht. Ich möchte klein und fein bleiben, aber ohne Unterstützung geht das nicht.“

 

Köstlich essen, trinken und die Kunst genießen

 

Mit Fleiß, Beharrlichkeit und Leidenschaft verwirklicht der Koch, Künstler und Freidenker seine Träume und Visionen. Er bewegt viele Menschen. Nicht umsonst hat er die Achtung und den Respekt seiner Mitmenschen in Hatzendorf.

 

Seine Gäste sollen sich endlich wieder Zeit nehmen - Zeit zum Genießen. So gibt es an jeder Ecke etwas zu entdecken: Skulpturen, Bilder und andere Kunstwerke. Nicht nur in seinem Atelier, sondern auch im Wirtshaus, in den Gästezimmern und im Gastgarten sind die Exponate zu bewundern.

 

Peter Troißinger ist sichtlich stolz auf seine Kinder: „Es ist schön, dass unsere Kinder so in den Betrieb hineingewachsen sind. Das hätte ich mir nicht gedacht. Ich bin auch stolz darauf, dass ich von der Jugend viel angenommen habe.

 

Was nicht passt, wird passend gemacht

 

Kaum spricht Tochter Anna den Wunsch nach einem gemütlichen Loungebereich für den Garten aus, macht sich der Künstler schon ans Werk und schweißt, was das Zeug hält: Das Ergebnis lässt sich sehen und darüber hinaus ist es auch noch bequem.

 

Tischlein deck dich

 

Raffinierte Gaumenfreuden erwarten die Gäste des Malerwinkels. Qualität, Regionalität und eine wunderbare Vielfalt an selbst angebauten Lebensmitteln finden sich auf der Speisekarte.

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© Heimo Jessenko

 

Gekocht wird steirisch, kreativ mit frischen Produkten aus der Region. Dazu begeistert eine große Auswahl heimischer Weine. Qualitätskompromisse macht Peter Troißinger nie. „Die Natur ist schließlich das größte Kunstwerk.“ Die Küche im Malerwinkl ist leicht und geschmackvoll, frisches Gemüse aus dem eigenen Garten mit Gemüseraritäten wie Rattenschwanzradieschen, Palmkohl, Taglilien, Tamarillo und vieles mehr. Fleisch und Milchprodukte bezieht er von heimischen Bauern aus der Umgebung. Die hauseigenen frischen Kräuter werden mit viel Liebe angebaut und verarbeitet.

 

Peter Troißinger liegt der Nachwuchs am Herzen: „Wenige nehmen sich heute noch Zeit, ihre Lehrlinge wirklich auszubilden.“ Mit derzeit drei Lehrlingen ist die Küchenmannschaft gut aufgestellt. „Die Leute müssen endlich alle wieder runterkommen, sie müssen sich erden. Viele Kollegen haben sogar keinen Draht mehr zu richtigem Gemüse, wie es wächst und wie man es anbaut wissen sie gar nicht. Meine Lehrlinge müssen mit meiner Frau hinausgehen. Sie zeigt ihnen die Kräuter und Wildkräuter. Viele erkennen die Kräuter nur, wenn sie bereits groß sind - nicht so meine Jungs!“

 

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(c) Alexandra Gorsche

 

Kanal-Cooking-Restaurant

 

Im Ort bekannt als „bunter Hund“ sorgt der Revoluzzer immer wieder für Gesprächsstoff: Lange bevor die Diskussion über Gentechnik aufkam, kreierte Peter Troißinger seinen „Gen-Baum“. Ein in Bronze abgeformter alter Obstbaum, der auf der Krone steht und mit seinem Wurzelstock in den Himmel ragt. „Ein Symbol dafür, dass in der heutigen Zeit zu sehr gegen die Natur gearbeitet wird.“

 

Peter Troißingers Gedanken kreisen immer wieder um das Thema, wie sich die Menschen von heute ernähren. Nach dem Motto „Billig essen - teuer sch***“ lud der Kreativkopf zu einer „Eat & Art-Performance“ und zauberte ein viergängiges Menü direkt aus dem Kanalschacht auf die Teller. Magische Blicke zog der Hatzendorfer auf sich. Mit Kochutensilien, Lebensmitteln und drei Metallkübeln als Sitzgelegenheit bekochte er aus seiner Miniküche heraus die Passanten. Im Vordergrund standen Supermarktprodukte mit viel Optik und wenig Inhalt. Mit dieser Aktion wollte Peter Troißinger nicht auf sich persönlich, sondern auf die Verbilligungstaktik in der Gesellschaft hinweisen. Essen wird immer billiger gekauft, um die Lebenserhaltungskosten zu schmälern. Doch diese Entwicklung geht nach hinten los. Peter Troißinger setzte ein Zeichen und übertünchte den Kanalmief mit seinen Gerichten.

 

Mit seinem Verein „Eat & Art“ entwickelt Peter Troißinger immer wieder neue Vorhaben und setzt seine kreativen Ideen in die Tat um. Oft sorgt er für Schlagzeilen, denn seine revolutionären Aktionen bleiben nicht unbeobachtet. Die Medien berichten über ihn und seine Botschaften, die er in die Welt tragen möchte.

 

 

 

Heimspiel für den Meisterkoch

 

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Woche Nr. 40, 2.Oktober, Seite 39