Koch- Künstler- Querdenker- Revoluzzer

Ein Unentwegter - immer in Bewegung - der Geist wie der Körper

War er ein hyperaktives Kind? Was er - auf der Suche nach Neuem anfasst, kann zum Kunstwerk werden. Manches ist sehr kurzlebig, wird serviert und gegessen. Oder abgeformt, transformiert - eat art. Auch die Verpackung - der Abfall - alles ist Kunst! Auch der Ort des Geschehens ist nicht unwichtig. Muss es immer die Küche sein?

Sehen wir es so:

Die Kunst durchwächst - wie der Edelschimmelpilz den Käse - die ganze Existenz des Peter Troißinger.

Aber nun alles von Anfang:

Hatzendorf im Jahre 1958. Ein kleines oststeirisches Nest, die Schäden des Krieges gerade beseitigt, nicht einmal die Bezirksstrasse ist asphaltiert. Dem Ehrepaar Troißinger, er Gendarm, sie Gastwirtstochter, wird ein Sohn Peter geboren. Er wächst mit einem 10 Jahre älteren Bruder auf, die Mutter züchtet Hühner und liefert sie küchenfertig in die Haushalte und Gasthäuser der Umgebung und ist damit ihrer Zeit weit voraus. Später baut sie das Haus um zu einer Jausenstation. Sie ist sehr aufgeschlossen und bestärkt ihren Sohn Peter, als er eine Lehre als Koch anstrebt, und daran geht, den Betrieb zu einem Gasthof mit Fremdenzimmern auszubauen. Sie erzählte mir oft von dieser Zeit des Umbruchs und den Schwierigkeiten, die ungewöhnlichen Ideen ihres Sohnes umzusetzen. War er ein hyperaktives Kind? Nicht direkt, aber immer voller Einfälle und "Spompanadeln". Und so ist er geblieben. "Ich bin ein Mensch wie jeder andere", sagt Peter Troißinger von sich, " aber ich habe einen sechsten Sinn für zukünftige Entwicklungen und setze meine Ideen dazu schnell um. Wenn mein Kopf voll ist von Gedanken und Visionen, klappe ich ihn auf, entleere ihn wie einen Einkaufkorb auf einen Tisch, sortiere die einzelnen Ideen und übertrage sie in die Kunst, seien es Bilder, Skulpturen, Konzepte für Performances oder kulinarische Events." Kunst und Kulinarik zu verbinden, ist ihm schon in den Wanderjahren seiner Ausbildung in den ersten Häusern Europas ein Anliegen. Er verblüfft die Gäste mit ungewöhnlichen Dekorationen seiner Gerichte. " Ich war schon damals ein begnadeter Tellermaler!", lacht er. Heimgekehrt, geht der daran, das elterliche Gasthaus, einen reizlosen Bau aus den 60igern, zu einem bunten, phantasievollen Gesamtkunstwerk zu machen. Er versieht innen und außen alles mit seiner Kunst, und macht, obwohl reiner Autodidakt, vor keiner Technik und keinem Material halt. Lange Zeit liegt der Schwerpunkt seiner Kunst auf der Malerei und so nennt er sein Haus" zum Malerwink'l ".

Ausstellung im Künstlerhaus
Foto: Art Tomitsch

Bald werden auch andere in der Region lebende Künstler aufmerksam und finden sich zu Diskussionen und regem Gedankenaustausch bei Peter zusammen. Aber viele von ihnen nehmen den Querdenker und Quereinsteiger nicht für voll. Anders der Bildhauer und Metallgestalter Franz Wieser. Etwa 10 Jahre älter als Peter übernimmt er anfangs die Rolle eines Mentors und bringt den Koch auch als Künstler auf viele Ausstellungen in aller Welt, ja bis New York! Es entwickelt sich eine Freundschaft und daraus eine rege Zusammenarbeit der beiden. Auch in dieser Beziehung ist Peter der spontanere, innovativere, der verrückte Ideen entwickelt, um deren technische Umsetzung sich der eher der klassischen Bildhauerei verhaftete Franz Wieser bemüht.

In all diesen Jahren folgt Peter unbeirrbar seinen Visionen. In dem kleinen Ort ist er automatisch der Revoluzzer, ein 'bunter Hund', dessen Aktionen immer für Gesprächsstoff sorgen. Mit sicherem Blick für künftige Entwicklungen betätigt er sich im allem als Vorreiter. Als er einen Zubau zum Gasthof plant, wählt er die alte Technik des Lehmbaues, und errichtet einen Lehmturm. In diesem ist nun eine kleine Galerie untergebracht, die er auch Künstlerkollegen zur Verfügung stellt. Sechs bis acht Ausstellungen beleben zusätzlich das Haus und locken Kunstinteressierte an.

 

Genbaum -hat sich auf die Kopf gestellt .....

Lange vor der Diskussion um die Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln stellt Peter seinen Gen-Baum auf. Ein in Bronze abgeformter alter Obstbaum, der auf der Krone steht, der Wurzelstock ragt in den Himmel. Symbol für die heutige Zeit, in der viel wider die Natur gearbeitet wird. Die fehlende Nachhaltigkeit in der Produktion, auch in der Landwirtschaft, und das Bestreben, alles so billig wie möglich herzustellen, bringen Peter auch auf die Idee des 'Kanal Cooking'. Das erste regionale 'Original Kanal Cooking Restaurant' in Feldbach, ist eine Koch-Performance, bei der der Koch/Künstler bis zum Bauch in einem städtischen Kanal steht, das Essen direkt auf der Straße kocht und an die Passanten verteilt.

Eine Zeitung schreibt: " Unter dem Motto 'Billig essen - teuer sch... ' lud der Hatzendorfer Kreativkopf Peter Troißinger zu einer KochKunstPerformance der andern art. Sein Restaurant die Bürgergasse in Feldbach, seine Küche - der Kanal. Seine Speisen Supermarktprodukte mit viel Optik und wenig Inhalt. Was wahnwitzig klingt, hat jede Menge Substanz und Aussage, denn die' g' schmackige' Aktion sollte auf die vorherrschende Zerbilligungstaktik in der Gesellschaft hinweisen. Nahrungsmittel werden scheinbar billig gekauft, um die Lebenshaltungkosten zu schmälern, doch der tatsächliche qualitative Output geht quasi nach hinten los. Peter Troißinger machte aus wenig mehr und übertünchte mit einer Koblauchcremesuppe den Kanalmief."

Man sieht, die revolutionären Aktionen des Peter Troißinger werden wahrgenommen, diskutiert, die Zeitungen schreiben darüber und auch in seiner Gemeinde weiß man mittlerweile, was man an ihm hat. Gemeinsam mit dem von Peter gegründeten Verein" Eat & Art" werden kreative Ideen entwickelt und manch zukunftsträchtiges Vorhaben in die Tat umgesetzt. Als neuestes Projekt gilt es einen Panorama-Kunst- Weg zu gestalten. Auf einem Wanderweg durch die wunderschöne Hügellandschaft rund um Hatzendorf sollen an markanten Punkten Werke verschiedener Künstler aufgestellt werden. Die Gemeinde und viele Ortsbewohner stellen dafür ihre Grundstücke zur Verfügung und unterstützen das Projekt tatkräftig. Der Fleiß, die Beharrlichkeit, und Leidenschaftlichkeit, mit der dieser besondere Mensch Peter Troißinger als Gastronom, Koch und Künstler seine Träume und Visionen mit aller Kraft in die Wirklichkeit überträgt, haben ihm die Achtung und Zuneigung sehr vieler Menschen eingebracht. Dieser Prophet gilt etwas, auch im eigenen Land!

Verfasst Eva Wieser

   

 

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