Geschichtliches aus Hatzendorf

Agricola von Hatzendorf
  Eine genaue Rückverfolgung der Geschichte von Hatzendorf kann leider nicht vollzogen
  werden, eher beruht sie auf Vermutungen. Fraglich ist die erste Nennung von Hatzendorf
  in einer Urkunde von 1255, in der ein Gottschalk von Stang genannt wird.
  Durch Ausgrabungen wurde bekannt, dass bereits zur Junghallstattzeit im klimatisch
  begünstigten Grazbachtal auf der Ostseite des Basaltstockes der Riegersburg gesiedelt
  wurde. Zwischen Römerzeit und der Einwanderung der Slawen ab dem späten 6. Jahrhundert
  liegen die Wirren der Völkerwanderungszeit mit dem Durchzug der Goten, Markomannen,
  Rugier und Langobarden. Die asiatischen Reitervölker der Hunnen und Awaren folgten ihnen,
  und als deren Unterworfene kamen die Slawen. Wenn diese aber einen Bach "Graz" nannten,
  mussten sie eine Befestigung, das bedeutet dieser Name, vorgefunden haben.

  Eine weitere Möglichkeit des Entstehens von Hatzendorf:

  Die Kapelle in Hatzendorf wurde von einem gewissen Hatzo erbaut. Welchem Geschlecht
  er angehört hat ist ungeklärt. Dieser Bau muss jedoch vor der Zeit des Marschalls
  Herwig (1172 - 1189) entstanden sein.

  Letztendlich wurde die Gemeinde Hatzendorf aus den ehemaligen Gemeinden
  Hatzendorf, Stang - Tiefenbach und Ödgraben - Habegg, am 01. Jänner 1968 gegründet.

Pfarrkirche

Pfarrkirche von Hatzendorf

Am westlichen Rand des Dorfes steht, auf erhöhtem Platz, die Pfarrkirche von Hatzendorf.
Kirchen- und
Pfarrpatrone sind die Apostel Petrus und Paulus.
1422 werden Güter in der "Hatzendorffer pfarr" erwähnt, erste urkundliche Erwähnung einer Peterskirche in Hatzendorf (Neubau des Gotteshauses) im Jahr 1545. Davon erhalten sind der Chor (Altarraum) und der Turm.
1679 wurde das Langhaus neu gebaut, später durch Seitenarme kreuzförmig erweitert. Bei der im Jahre 1904 durchgeführten einschneidenden Renovierung wurden die barocken Gewölbe durch Flachdecken ersetzt, die dem Kirchenraum einen Saalcharakter verleihen. Erneuerte Aussengestaltung des Turmes und der Fassade ebenfalls 1904. Umfassende Sanierung der einsturzgefährdenden Kirche 1972 - 1975. (Schließung des Westportals).
Von der spätbarocken Einrichtung noch erhalten ist der 1753 vom Gnaser Bildhauer Franz Domiscus geschaffene Hochaltar mit Mittelgemälde der Kirchenheiligen Petrus und Paulus.
Weiters ein kleiner Seitenaltar mit einer guten Kopie der Mariahilfer Muttergottes (Mitte 18. Jh.) und Heiligenfiguren auf Wandkonsolen aus der selben Zeit.
Volksaltar und Ambo, ein großes Deckenfresko (Hl. Dreifaltigkeit) sowie 3 figurale Glasfenster in den Seitenarmen (1975 - 1978) stammen von Franz Weiß. Die Orgel wurden 1981 neu angeschafft.

Gottesdienste in der Pfarrkirche: So. 08.30 Uhr, Mi. 18.30 Uhr (SZ: 19.00 Uhr)

.

Pfarrer Agricola und die Hexenprozesse in Riegersburg

 

Das Jahr 1673 Der Huberhof westlich der Riegersburg.war ein Jahr voller Unwetter. Weingärten und Felder wurden zerstört, und heftige Wirbelstürme, fegten über das Land. Dies alles spielte mit eine Rolle, dass in der Folge die Schuldigen für diese Umweltkatastrophen in "Hexenzirkeln" gesucht wurden. Der Huberhof zum Beispiel war Treffpunkt einer besonderen Gesellschaft, zu der neben dem Besitzer des Hauses - Dr. Michael Zirkelius, der Hauptpfarrer von Riegersburg - auch die Frau des Burgpflegers - Katharina Paldauf - und die Vikare von Hartmannsdorf, Hatzendorf und Paldau gehört haben. Auch der ehemalige Pfarrer von Paldau, Lorenz Plamauer, und der Pfarrer von Fehring, J. Georg Paar, sind zu diesen Treffen gekommen, wo über Zauberei diskutiert wurde und man sich in allerlei Zaubereien versuchte.

Beim Kreuz oberhalb von Hatzendorf hatte der Hatzendorfer Pfarrer Georg Agricola eine Gesellschaft um sich versammelt. Zu dieser Gesellschaft sei durch Zufall die Katharina Lorenzerin, allgemein Schleglin genannt, gestossen, der man vom trüben Wein zu trinken angeboten habe. Diese jedoch habe sich geweigert, wonach man sie mit Schlägen "tractirt", die Nase "gekhrumpet" und im Gesicht gekratzt habe. Weiters wusste die Lorenzerin zu berichten, dass plötzlich in Gestalt einer "anreiter" ein Wölkerl ("wülckhl khomben") gekommen und die ganze Gesellschaft in die Luft verschwunden sei. Dies sei unter einem Geschrei wie von Habicht und Krähen geschehen. Die Lorenzerin erstattete am 28. September 1673 Anzeige, was den Auftakt zum großen Feldbacher Hexenprozess setzte. Dieser Prozess muss in zwei Gruppen unterteilt werden, und zwar in die Gruppe von Hatzendorf-Stang-Lembach und in die Riegersburger Gruppe. Bei den ersten Verhören, die auf der Riegersburg stattfanden, wurde ausgesagt, dass von der Hexengesellschaft "Schauer" (Hagel) gemacht worden sei. Die weiteren Verhöre, unter Anwendung der Folter, der "Tortur auf dem Stuhle", erfolgten beim Landgericht Feldbach.

Agricola studierte in Graz Philosophie und Theologie und wurde 1638 zum Priester geweiht. Er wirkte erst als Kaplan in St. Lorenzen zu Hengsberg, danach als Vikar Stellvertreter im weltlichen oder kirchlichen Amt, bes. junger Geistlicher als Gehilfe des Pfarrers in Hartmannsdorf und anschließend als Pfarrer in Hatzendorf. In Hartmannsdorf soll er einen recht liederlichen Lebenswandel geführt haben, denn er habe viele "Mägde" gehabt, mit denen er in "fleischlicher Wollust" gelebt habe. Dies war auch der Anlass dafür, dass er die Pfarre verlassen musste. Im Oedgraben besaß er ein Grundstück mit Weingarten und Weinkeller.

Einer der Hauptanschuldigungen, die im Prozess gegen ihn vorgebracht wurden, war, dass er mit Hostien Unfug getrieben und Hagel erzeugt habe. So soll die Ursache für die beiden Hagelunwetter der Jahre 1672 und 1673 seine Zauberkünste gewesen sein. Sonderbarerweise verteidigte sich Agricola kaum gegen die vorgebrachten Anschuldigungen. Was er aber entschieden von sich wies, war der Vorwurf, Hostien verunehrt zu haben. Auch von den Plätzen, an denen sich die Gesellschaft getroffen habe und von der Eiche, aus der der trübe Wein rinne, wollte er nichts wissen. Ebenso bestritt er, die Hagelunwetter erzeugt zu haben, da er zu dieser Zeit krank gewesen sei. Es gab auch zahlreiche entlastende Aussagen. Die Dienstmagd vom Pfarrhof Hatzendorf erklärte zum Beispiel, dass sich der Pfarrer immer ordentlich benommen habe und er vor allem den Gottesdienst ernster genommen habe als seine Vorgänger und Nachfolger. Die geistliche Oberbehörde verurteilte Agricola in mehreren Punkten und bezeichnete ihn als Gottesräuber und dem Irrglauben verfallen. Das Urteil wurde am 16. Mai 1675 von der Feldbacher Kanzel herab verkündet.

Während einige der Verbrennungen von Hexen und Zauberern bei lebendigem Leib fanden nur äußerst selten statt.weiteren Angeklagten hingerichtet wurden, starb Agricola plötzlich im Kerker. Man sagte, dass ein Rabe gesehen worden sei, der gegen "des Agricolas Quartier" geflogen und unmittelbar vor dessen Fenster umgekehrt sei. Es ging das Gerücht um, dass der Marktschreiber und der ehemalige Marktrichter Pfarrer Agricola auf höheren Auftrag hin erwürgt hätten. Der Teufel aber habe in Rabengestalt die Seele des Pfarrers geholt. Als der Leichnam Agricolas verbrannt werden sollte, weigerten sich die Feldbacher, diese Kosten zu übernehmen. So lag die Leiche eine Weile, bis sie schließlich, bereits leicht verwest, doch auf Kosten des Marktes Feldbach verbrannt wurde. Der Hexenprozess kostete riesige Summen Geld und besonders die Feldbacher Bürger, die diese Kosten zu trugen hatten, litten unter den ihnen auferlegten Lasten.

 Auszug: Die Geschichte der Hexenprozesse Stiéirisches Vulkanland

zurück

Agricola Brunnen in Hatzendorf

Peter Troissinger bei der Arbeit von der Skulptur "Agricola"
Agricla der Pfarrer von Hatzendorf

Zum Andeken an Pfarrer Gregorius Agricola,

Der aus dem Baum Wein trank...
Ohne Gesicht und Hände, jeder kann sich sein Bild über den Pfarrer machen.

Eine Skulptur von Peter Troißinger

   

 

Web-Marketing by
WebAgentur Koerbler